Geschichtliches

Siedlungsgeschichte

Besiedelt wurde das Tal lange vor der ersten  urkundlichen Erwähnung (1299). Die ersten Siedler die sich im Tal sesshaft machten, dürften Slawen gewesen sein. Der Name des Tales, der Gailfluss, viele Ortsnamen, wie Gentschach, Strajach, Podlanig, Liesing u.a.m. erinnern  an die ersten Bewohner.

Um die Mitte des 8. Jahrhunderts gründete der Bajuwarenherzog Tassilo den Benediktinerstift Innichen und vermachte dem Kloster kurz vor seinem Tode mehrere Alpen. Dazu zählten die Almen in Ualdomonega (in Untertilliach), Frontal, Valferina (heute: Niedergailertal). Zwei Jahrhunderte war das westliche Lesachtal dem Stift Innichen unterstellt.

Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Lebenswesens tauchten im 11. und 12. Jahrhundert in unserer Gegend zwei deutsche Adelsgeschlechter auf. Von denen das eine, ,,die Grafen von Görz“ sich bis um 1060 zurückverfolgen lassen, in Lienz Sitz und Residenz hatten und in Oberkärnten große Besitzungen erwarben. Im 12. Jahrhundert tritt im Obergailtal ein zweites deutsches Adelsgeschlecht, ,,die Herrn von Reiffenberg“ als Grundherren auf. Dabei darf man sich nicht vorstellen, dass die Siedler allmählich vom Westen und Osten vorrückten, vielmehr wurden sie vom Willen der Grundherrschaft gelenkt. Die slawischen Bewohner des Tales mussten dabei ziemlich rasch in den bald zahlenmäßig weit überlegenen deutschen Siedlern aufgegangen sein. „Um 1300 war die Bewohnerschaft bereits deutschsprachig“, stellt Dr. Dieter Neuman in seinem Buch „Das Kärntner Lesachtal“ fest.

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts konnten im Lesachtal bereits 150 Lehens- und Freistifthuben festgestellt werden. Bis ins 19. Jahrhundert hat sich die Zahl der Anwesen auf 370 erhöht.

Die Lage des Tales, seine Unwegsamkeit, besonders aber seine strengen Winter führten zur Annahme, dass das Tal anfangs nur als Sommerweide diente. „Die auffällige Verteilung der Fluren scheint dies zu bestätigen“, schreibt Dr. Gerhard Michelitsch in seiner Dissertation (1949), „sie finden sich nur an den sonnseitigen Terrassen zwischen St. Jakob und St. Lorenzen“. Der Auftrieb der Tiere erfolgte vom Drautal entlang des Pirkachgrabens über den Milnatzsattel in die Almgebiete von Liesing und St. Lorenzen und über die Pirkachscharte in den Bereich des Grifitzbühels und die Rauteralm. Als die ersten Almgebiete scheinen im Görzer Urbar des Jahres 1375 „Traperch“ bzw. „Kornater Alpe“ auf. Ähnlich den Slawen dürften auch die Romanen südlich der Karnischen Hauptkette einzelne Talhänge des Lesachtales als Weideland benützt haben.

Um 1375 zeigt das Lesachtal bereits ein abgeschlossenes Siedlungsbild und wies ebenso eine geschlossene Verwaltungseinheit mit dem Gericht ,,Lessach“ (1318 - 1422) auf.

Die Volksüberlieferung weiß von einer alten Burg auf der ,,Pichlrüben" oberhalb der Ortschaft Durnthal zu erzählen, darauf einst ein Graf gehaust haben soll. Daraufhin wurde das Gericht nach Pittersberg (Laas) verlegt. Nach dem Aussterben der Reiffenberger um 1372 fielen ihre Güter an die Grafen von Görz. Im Frieden von Pusarnitz 1460 kam das Tal unter die Hoheit Kaiser Friedrich III. (Habsburg). 1502 verpfände Kaiser Maximilian unser Tal seinem Buchhalter Jakob Villinger. 1524 fiel das Tal an Gabriel Salamanca. 1640 bis 1662 waren die Grafen Widmann von Ortenburg unsere Grundherrn. Diese verkauften die bäuerlichen Güter schließlich an den römischen Reichsfürsten Ferdinand von Porcia. Durch die Grundentlastungsgesetze (1848) wurden die Siedlungen und Höfe den darauf ansässigen Bauern als freies Eigentum zuerkannt.

Der Name Lesachtal lässt sich nach Matthias Lexer aus dem slawischen ,,Lessawe" (1447) herleiten und heißt soviel wie „bei den Waldleuten“. In einer Urkunde vom 17. März 1299 hat Graf Albrecht von Görz Einkünfte, unter anderem aus seinem „aigen“ und seinem „urbor datze Leschach“ seiner Schwiegertochter Elisabeth von Hessen übereignet. Die Urkunde, die die älteste Nennung des Kärntner Lesachtales beinhaltet wird im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien verwahrt.